Standpunkt: „Solidarität mit dem Bildungsstreik in Landau!“

csm_Studis_Mainz01NEU_c55f42eadcFolgende Soli Adresse habe ich heute an die streikenden Studierenden in Landau geschickt:

Liebe Studierende und liebe Streikende der Uni Landau,

als hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag ist es mir ein großes Anliegen, Euch zu Eurem Schritt zu gratulieren, gegen die unzumutbaren Zustände an Eurer Hochschule in den Streik zu treten!
Viele Studierende und WissenschaftlerInnen, Bildungsbewegte und politisch Aktive quer durch die Republik haben lange darauf gewartet, dass es mal wieder ein deutlich wahrnehmbares, ein öffentlich sichtbares Stimme-erheben gegen das Kaputtsparen der Hochschulen, gegen prekäre Beschäftigung der Hochschul-Beschäftigten, gegen Arbeitsverdichtung und soziale Selektivität gibt – Danke Euch für dieses Mut machende Signal!

Und mit Eurem Protest habt Ihr Recht: Die jahrelange Unterfinanzierung der Hochschulen macht sich immer drastischer bemerkbar. Gebäude sind teilweise in marodem Zustand, es fehlt an der Ausstattung der Bibliotheken, an adäquat bezahlten Lehrkräften, an sozialer Infrastruktur bis hin zu bezahlbarem studentischen Wohnraum.
Wenn für 95 Studierende nur noch einE ProfessorIn zur Verfügung steht, und Seminare, die für 20 Studierende ausgelegt sind von 100 belegt werden müssen – dann sollten sich Debatten über Zumutbarkeit oder darüber, ob dieser Streik jetzt wirklich nötig ist, eigentlich erledigt haben.

Auch wenn Vieles nicht erreicht wurde und Vieles nicht verhindert werden konnte – die Bildungsstreiks der Vergangenheit, an denen ich mich zu meinen Studienzeiten in München auch mit einiger Vehemenz beteiligt habe, haben durchaus ihre Wirkung gezeigt: Durch die Proteste im Wintersemester 03/04 konnte in Berlin die Einführung von Studienkonten verhindert werden und mit dem Bildungsstreik 2009 wurde eine allgemeine Stimmung gegen Studiengebühren gesetzt – spätere politische Grundlage für die Abschaffung der Studiengebühren in allen Bundesländern!
Und nicht zuletzt: dass es überhaupt eine breite gesellschaftliche Debatte über die Herausforderungen in der Bildungs- und Hochschulpolitik gibt, dass Probleme wie die der Bologna-Reform überhaupt im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen sind, ist Aktiven wie Euch zu verdanken.

Völlig klar ist – und das macht Euren Protest auch schwierig – Ihr habt viele AdressatInnen für Euren Protest: die Hochschulleitung, die Landesregierung, die Bundesregierung.
Für uns als LINKE ist klar: eine bedarfsgerechte Ausfinanzierung der Hochschullandschaft, eine Abkehr von Privatisierungstendenzen, ein Abschied von ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnissen und die Implementierung eines neuen Leitbildes einer offenen, sozialen und demokratischen Hochschule wird es nur geben, wenn der finanzkräftige Bund endlich seiner Verantwortung nach Bildungs-und Steuergerechtigkeit nachkommt. Dafür streite ich im Bundestag.

Ich würde mich sehr freuen, mit Euch über Eure hochschulpolitischen Forderungen und Vorstellungen in Austausch zu kommen – wenn ich Euren Protest unterstützen kann, lasst es mich wissen!
Ich hoffe und wünsche Euch sehr, dass Euer Streik anderen Studierenden Mut macht und er auch andere Hochschulen erfasst!

Mit freundlichen Grüßen
Nicole Gohlke